DYADE - Praxis für Männer

Sexualtherapie und Beziehungsmanagement

Dipl.-Psych. Manfred Soeder, Kassel

Sexualberatung Sexualtherapie

kommunikation

 

Paarkommunikation und Beziehungsglück

Bei einer Ergebung der kommunikativen Fertigkeiten in Paargesprächen von 91 unbehandelten Partnern verschiedener Altersgruppen, die wir anonymisiert 2008 über das Internet durchgeführt haben, wird der Zusammenhang zwischen dem erlebten Beziehungsglück und der Paarkommunikation besonders deutlich.

Die Stichprobe bestand aus 69 Frauen und 22 Männern, wobei das Geschlecht der Testpersonen keinen Einfluss auf die hier dargestellten Ergebnisse hatte. Daher konnte die Stichprobe für unsere Zwecke zusammengefasst werden.

Der Fragebogen fragt konkrete Verhaltensweisen in Paargesprächen ab, die nach unserer Erfahrung die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Bereinigung von Konflikten erhöhen. Die einzelnen Partner sollten jeweils vierstufig angegeben in welcher Häufigkeit eine Verhaltensweise bei ihnen auftritt (selten ... oft).

Neben weiteren Details zeigen die Ergebnisse einen deutlichen Zusammenhang zwischen den von uns ausgewählten 30 Verhaltensweisen und der von den Partnern selbst eingeschätzten Glücks in der Beziehung.
Je höher der Anteil konstruktiver Gesprächsbeiträge, desto höher fällt auch die Ausprägung des subjektiv erlebten Glücks aus. Da nicht nach den Verhaltensbeiträgen des anderen Partners gefragt wurde, betreffen beide Variablen also den Partner selbst.

Die Wirkrichtung konnte von der Studie nicht beantwortet werden, dazu bedürfte es Einzelfallstudien im Längsschnitt. Es bleibt also offen, ob die Beziehungszufriedenheit die Kommunikation oder die Kommunikation die Beziehungszufriedenheit beeinflussen. Unsere Erfahrung spricht für eine Wechselwirkung, die die Entwicklung des Paares entscheidend beeinträchtigen kann.

Eine entwicklungsgeschichtliche Betrachtung von Kommunikationsstörungen wird durch ein weiteres Ergebnis nahe gelegt. Bei der Suche nach Einflussfaktoren auf Partnerbeziehungen wird in nationalen wie internationalen Studien übereinstimmend immer wieder ein starker negativer Zusammenhang zwischen der Beziehungsdauer und der Beziehungszufriedenheit gefunden. Je länger eine Beziehung dauert, desto unglücklicher fühlen sich die Partner.

Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Partner in jüngeren Paarbeziehungen erheblich konstruktiver kommunizieren als Partner in älteren Paarbeziehungen. Jünger und älter bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Partner kürzer oder länger zusammen sind, nicht ungedingt, dass die Partner jünger oder älter sind. Ein kultureller Kohorteneffekt erscheint zur Erklärung daher wenig plausibel, so dass man sagen kann, dass es sich bei den Kommunikationsdefiziten nicht um generelle Lerndefizite handelt, sondern um Defizite, die aus der Beziehung selbst hervorgehen. Dafür kommen in Betracht: Nähe- und Konfliktvermeidung, Desinteresse, Ambivalenz und ähnliches.

 

Korrelation Alter Dauer Glück Konstruktivität
Alter 1,000 0,389** -0,314** -0,153
Dauer 0,389** 1,000 -0,396** -0,348**
Glück -0,314** -0,396** 1,000 0,518**
Konstruktivität -0,153 -0,348** 0,518** 1,000

*) Die Korrelation ist auf dem Niveau von 0,05 (2-seitig) signifikant.
**) Die Korrelation ist auf dem Niveau von 0,01 (2-seitig) signifikant.

 

Die Tabelle zeigt Zusammenhangsmaße (Korrelationen) zwischen den Variablen Alter, Beziehungsdauer, Beziehungsglück und Konstruktivität, gemessen durch unseren Fragebogen zum Paargespräch. Ein Korrelationskoeffizient kann einen Wert zwischen -1 und +1 annehmen. Eine Korrelation von 0 bedeutet keinen Zusammenhang, minus eins einen negativen Zusammenhang und plus eins einen positiven Zusammenhang. Ein Korrelationskoeffizient von +/- 0,5 bedeutet für psychologische Untersuchungen bereits einen deutlichen Zusammenhang. 25% der Varianz (0,52) des Merkmals 'Beziehungsglück', können durch den Faktor 'Kommunikation' erklärt werden.